Künstlergut Prösitz – Kennenlernenfoto im Zeichen der Linde mit Sonnensystem

Mir war bisher kein Ort bekannt, in dem sich fast alles um die Kunst dreht und der ein ganzes, zwar in die Jahre gekommenes, aber faszinierend anzusehendes Sonnensystem zwischen Haus und stattlicher Hoflinde parkt. Von einem inspirierenden Besuch im Künstlergut Prösitz und einem Kennenlernenfoto ganz außerhalb von Plutos Umlaufbahn.

Es ist der Donnerstag der Woche, Julia Kleemann und ich vom Kreativnetzwerk Eilenburg machen uns auf den Weg nach Prösitz, ein kleiner Ort zwischen Wermsdorf und Grimma. Unser Ziel ist das Künstlergut Prösitz, konkret freuen wir uns darauf, dort den DonnerstagZirkel zu treffen und ins Netzwerkgespräch zu kommen.

Wir werden schon erwartet, in großer Runde begrüßen uns die Mitglieder des KünstlerinnenZirkels, die sich auf dem Künstlergut Prösitz wöchentlich treffen.

In der Vorstellungsrunde wird klar, es gibt schon einige Querverbindungen in die Runde, denn dass wir überhaupt hier sind, ist einem neuem Wandbild in Nerchau zu Mori Ōgai von Volker Pohlenz und der Auftraggeberin des Bildes Regina Lamik zu verdanken, sie ist ebenfalls Mitglied im DonnerstagZirkel.

Damit ist auch das Kleinstadtlabor KUNSTwoche Eilenburg im Gespräch und die Verbindung in die Weltkleinstadt geknüpft. Denn zu dem Wandbild in Nerchau sind wir über die letzte KUNSTwoche (2025) in Eilenburg gekommen.

Künstlergut Prösitz

Die intensive Geschichte des Künstlerguts Prösitz beginnt praktisch zur Wendezeit, 1989 ist es noch ein maroder Dreiseitenhof und von der heutigen Nutzung noch vier Jahre entfernt. 1993 startet das erste Symposium „Bildhauerin mit Kind“ in den Sommermonaten, diese Idee ist bis heute, 33 Jahre danach, eine Erfolgsgesichte.

Wir vereinbaren, ein schönes Kennenlernfoto im Hof zu machen; ich bekomme während der Verabschiedung das Buch zum 25jährigen Bestehen in der Hand gedrückt:

Jawohl. Es ist ein Stipendium ausschließlich für Künstlerinnen. Es muss in Betracht gezogen werden dürfen, wie ungleich die gelebte Verantwortung für die Kinder in der Realität ist, wie ungleich die Entwicklungswege im Berufsleben von Männern und Frauen sind, wie ungleich die Anerkennung von künstlerischer Arbeit von Frauen ist.

Ute Hartwig-Schulz, Ein viertel Jahrhundert Künstlergut Prösitz, Sax-Verlag, Beucha/Markkleeberg, 2017, Seite 51

Man muss sich klar machen, das ist eine Aktivität! Das künstlerische und damit auch soziale Universum ist um so viel größer, dass man schon einige Zeit braucht, um sich als Mensch von außen, überhaupt einen Überblick zu verschaffen. Wer in die digitale Tiefe gehen möchte, hier geht’s zur Website des Künstlergutes in Prösitz.

Neben dem jährlichen Symposium, dass seit Jahren die besondere Situation von Künstlerinnen mit Kind in den Fokus stellt, werden Ausstellungen, Kurse und Projekte umgesetzt, die ihres Gleichen vermutlich weit suchen müssen.

Hier wäre beispielgebend das Kunstprojekt „Vineta“ auf dem Störmthaler See zu nennen, dessen Ideengeberin Ute Hartwig-Schulz ist (heute Ute Hartwig-Voigt) oder auch die Aktivitäten, die zur weitreichenden Vernetzung dienen.

Gemeinsame Kommunikationserfahrungen

Dabei sind die Erfahrung in Kommunikation genau gleich denen in der Eilenburger Region. Kommunikationsströme enden an Landkreisgrenzen, von einer Mehrheit wird zu kurz oder gar nicht über den Tellerrand in die nahe Umgebung geschaut.

Daher verwundert es auch nicht, dass das Kleinstadtlabor KUNSTwoche Eilenburg hier eben erst seit kurzer Zeit wahrgenommen wurde und leider ist auch die Eilenburger Sicht auf das Künstlergut, das reichlich 40 Minuten von der Weltkleinstadt entfernt liegt und über 30 Jahre hier schon wirkt, nicht sehr umfangreich.

Der Aufwand aus eigener Kraft zu strahlen ist hoch, lokaljournalistische Strukturen sind so gut wie nicht vorhanden, schon gar keine, die sich dem Thema Kunst in der jeweiligen Region differenziert widmen könnten.

Bedeutung des Losgehens, Kennenlernens, Schauens und Verkündens, oder auch der fotografischen Visualisierung

Das Kleinstadtlabor KUNSTwoche Eilenburg ist ein lebendiges Schaufenster regionaler und überregionaler Kunst und Kreativität. Malerei, Skulptur, Fotografie und Installationen stehen neben experimentellen Formaten: Klanglandschaften, partizipative Aktionen und urbane Interventionen, die das Publikum aktiv einbeziehen.

Junge Künstlerinnen und Künstler treffen auf etablierte Positionen; lokale Initiativen präsentieren sich neben Gastprojekten aus anderen Städten auf Augenhöhe. Die KUNSTwoche versteht sich als Brücke zwischen Stadtgesellschaft und Kunstszene: Sie belebt leerstehende Räume, fördert kulturelle Teilhabe und stärkt das Bewusstsein für städtische Identität.

Für die Weltkleinstadt bedeutet die KUNSTwoche nicht nur kulturelle Bereicherung, sondern auch wirtschaftliche Impulse durch Tourismus und lokale Kooperationen.

amarcord zur 3. KUNSTwoche in Eilenburg, Foto: ebsota

Lokale und überregionale Sponsoren, Kulturförderer, ehrenamtliche Netzwerkmitglieder die auch die organisatorische Basis sichern, letztlich das Kreativnetzwerk Eilenburg, sie sind die Voraussetzung, um die KUNSTwoche als kulturelles und künstlerisches Highlight der Region etablieren. Sie schafft Netzwerke, inspiriert Nachahmer und fördert regionale Identität langfristig deutlich.

Wer in die Atmosphäre der letzten KUNSTwoche eintauchen möchte: Kleinstadtlabor KUNSTwoche Eilenburg 2025 – der fotografische Rückblick mit über 100 Fotografien.

Kennenlernfoto im KünstlerinnenGut

Das oben erwähnte Planetensystem ist künstlerisch auf einem überdimensionalen Sessel, Stuhl oder Thron umgesetzt, der mit Widder- und Oktopusarmlehne als Torwächter den Blick zu unserem Heimatplanetensystem lenkt.

Wieder einmal könnte man von guten alten Zeiten schwärmen, denn in der Tat wurde Pluto aus dem Reigen der Planten in den letzten Jahren einfach entfernt. Komisch, ist er jetzt trotzdem noch da? 😉

Herzlichen Dank für eure Zeit und das Kennenlernen!

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