Vernissage mit ebsota in Torgau, „ZEITRISSE – Kraftort Photographie“ ist die 350. Ausstellung im Freihaus

Mit 72 Photographien von ebsota ist die Ausstellung „ZEITRISSE – Kraftort Photographie“ in der KunstGalerie des Torgauer Kunst- und Kulturvereins „Johann Kentmann“ e. V. im Kurfürstlichen Freihaus in der Pfarrstraße 3 der bisher umfangreichste Einblick in das fotografische Schaffen des Künstlers. Die Kunstausstellung spiegelt Arbeiten der letzten 17 Jahre wieder, mit dem Buch „Lebenszeitcoaching“ gelingt schon fast eine kleine fotografische Retrospektive.

Nach fast einem Jahr der Vorbereitung war es am 17. Juli 2026 so weit: Zu 19.00 Uhr versammelten sich Kunstinteressierte, Kunstsammler, Vereins- und Galeriemitglieder, Medienvertreter, Freunde und Familie von ebsota bei sehr sommerlichen Temperaturen direkt in den Ausstellungsräumen des Freihauses, da der Juli sich die Ehre gab, sich von seiner sehr gewittrigen Seite zu zeigen.

Die über 50 Gäste verfolgten die Begrüßungsrede des 1. Vorsitzenden des Torgauer Kunst- und Kulturvereins „Johann Kentmann“ e. V. Enrico Ryll mit dem Fokus auf die Fotografien von ebsota. Dr. phil. Ulrike Brinkmann vertiefte in der Laudatio den Blick auf die Werke und stellte auch Hintergründe zum Künstlernamen ebsota dar.

Die meisten Fotografien zeigen einen Moment, es gibt vielleicht Fotografien, die verändern unseren Blick auf einen Moment und es gibt Fotografien, da schaut man hin und man glaubt zu wissen, was man sieht und dann schaut man ein zweites Mal und plötzlich taucht eine weitere Ebene auf, eine Spiegelung, eine Erinnerung, ein Detail, was vorher gar nicht dagewesen zu sein schien und genau das machen die Arbeiten von ebsota so besonders. Sie verlangen vielleicht etwas, was heute selten geworden ist, nämlich Zeit.

Enrico Ryll

Auszüge Laudatio Fotografie ebsota von Dr. Ulrike Brinkmann

Der Kunsthistorische Blick ist in der zeitgenössischen Fotografie eine interessante und unterstützende Komponente, um fotografische Werke einordnen zu können. Nicht auf Anhieb offenbaren sich alle Elemente oder Ebenen und die mit Licht geformten Ausdrucke. Die Laudatorin Dr. U. Brinkmann zu den Arbeiten:

Wenn man sich nun also in einem fotografischen Flow befindet, man die Zeit um sich herum vergisst und einfach Freude an der Tätigkeit hat, ja, dann kommt es zu einem Zeitriss, in dem ganz wunderbare Abbildungen der Welt um sich herum entstehen, um zu bleiben. Oder wie es der in Paris lebende belgische Fotograf Harry Gruyaert (*1941) einmal so schön ausgedrückt hat:

„Ich fotografiere die ganze Zeit – es ist eine Art, am Leben und verbunden zu sein.“ (Quelle: https://independent-photo.com/de/news/photography-quotes/ (abgerufen 14.07.2026))

Dr. Ulrike Brinkmann

Dr. Ulrike Brinkmann

Nun fotografiert ebsota zwar keine sozialkritischen Begebenheiten, aber er richtet dennoch unseren Blick auf Dinge, die leicht übersehen werden, zeigt Brüche auf, erzählt Geschichten und fokussiert, wie er es selbst ausdrückt, auf gerissene und zerrissene Zeiten, die Zeitlichkeit des Lebens und das Fotografieren selbst.

Dies funktioniert natürlich immer dann besonders gut, wenn eine Kleinigkeit den Blick irritiert. Durch Doppelbelichtung zum Beispiel. Indem man also zwei Bilder, die vielleicht zunächst gar nicht so richtig zueinander passen oder aber, die verschiedene Blickwinkel ein und desselben Ortes zeigen, zusammenführt.

Doppelbelichtungen ziehen sich wie ein roter Faden durch das fotografische Werk ebsotas. Dazu kommen aber auch weitere digitale Experimente mit Belichtung, (Un-)Schärfe und Farbigkeit bzw. Monochromie; vielfach kombiniert er auch unterschiedliche Techniken, um den bestmöglichen Ausdruck zu finden.

Dr. Ulrike Brinkmann

Hommage Caspar David Friedrich, ebsota, 90×60 cm, Foto hinter Acrylglas

Zum 250. Geburtstag des Romantikers Caspar David Friedrich (1774‒1840) entstehen mehrere Arbeiten, die einen „romantischen Blick“ auf die Welt zulassen. Da ist zunächst einmal die wieder durch Doppelbelichtung entstandene „Hommage Caspar David Friedrich“. Friedrich, der in Greifswald geboren und aufgewachsen ist, in Kopenhagen an der Kunstakademie studiert und auf seinen Weg eigentlich nach Rom in Dresden sesshaft wird, vereint in seinen Gemälden die Sehnsucht nach den Weiten des Meeres mit der Sakralität der Natur.

In diesem Sinne legt ebsota in seiner Hommage an den großen Romantiker transparent und zart die recht kompakte, romanische Architektur einer Klosterruine über das aufgewühlte Meer in das ein nahezu unendlicher Steg hineinragt. Angesichts dieser unendlichen Naturgewalt einerseits und der Göttlichkeit der sakralen Architektur andererseits wird der Betrachtende hier ganz klein und unbedeutend.

Dr. Ulrike Brinkmann

Impressionen der Ausstellung „ZEITRISSE – Kraftort Photographie“

Die 350. Kunstausstellung im Freihaus stellt den besonderen fotografischen Blick ins Zentrum.

Auszüge Rede ebsota

Oft werde ich gefragt, was ich mir bei dieser oder jener Fotografie gedacht habe. In den meisten Fällen, so antworte ich, praktisch nichts. Während des Fotografierens kommt es zu einer interessanten Einheit zwischen Motiv, Kamera und den agierenden Menschen, deren Eigenart sich in der entstehenden Fotografie verwirklicht und die mich, seitdem ich 12, bin motiviert, immer wieder aufs Neue den Blick durch den Sucher zu suchen.

Das ist die eine Seite dieser Ausstellung mit dem Untertitel „Kraftort Photographie“. Die zweite Seite sind die ZEITRISSE selbst, Risse in der Zeit und Risse mit der Zeit. Zeitrisse sind merkwürdige Unterbrechungen dessen, was wir allgemein als Zeit beschreiben. Die Vorstellung, dass eine Fotografie gerissene Zeit ist, fasziniert mich seit langem und in letzter Zeit immer mehr.

Gestatten Sie mir, Sie mit einem wirklich guten Gedanken von Philippe Descola in den Abend geleiten:

„In allen Fällen und unabhängig von ihrer Form, die sie jeweils annehmen, machen Bilder die Welt vielfältiger, in dem sie die Zahl der unter ihren Bewohnern erkennbaren Identitäten erhöhen und die Palette von deren Ausdrucksformen erweitern.“ (Quelle: Philippe Descola, Die Formen des Sichtbaren, Suhrkamp, Berlin, 2023, Seite 637)

In diesem hoffnungsvollen Sinne, danke für Ihre Aufmerksamkeit, auch und gerade der Fotografie gegenüber, schön, dass Sie da sind und allen einen zauberhaften fotografischen Abend!

ebsota

Essenz in Bordeaux, ebsota, Foto auf Hahnemühle, 45×30 cm

>>> Zur Ausstellungs- und Werkliste des Künstlers.

Kurfürstliches Freihaus als Galerie- und Ausstellungsort

Das Kurfürstlichen Freihaus aus dem Jahre 1476 bietet für die Fotografieausstellung „ZEITRISSE – Kraftort Photographie“ einen geradezu idealen Ausstellungsort. Die zahlreichen Kontraste zwischen modernen und tradierten architektonischen Elementen, Räumen und Geschichten unterstützen die Wirkung der ausgestellten Fotografien. So erhalten die präsentierten Kunstwerke einen mehr als würdigen Rahmen.

Im Verlauf der Vernissage und des, trotz Gewitters, sehr gelungenen Abends wechselten auch gleich noch Kunstobjekte den Eigentümer.

Künstlerischer Photographie im Raum Nordsachsen einen so großen Raum zur Wirkung, Betrachtung und Ausstellung zu geben – hier geht ein Dank an die KunstGalerie und den Verein, der Ausstellungen nicht nur im kurfürstlichen Freihaus realisiert.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 05.Oktober 2026, der Fotograf ist noch einige Male selbst vor Ort.

Medienberichte ebsota

Lesen und erfahren Sie mehr zum Künstler, zur Fotografie oder Hintergründen:

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